Die globalen Aktienmärkte präsentierten sich in den letzten Wochen sehr positiv, was maßgeblich auf folgende Faktoren zurückzuführen ist. Die Volksrepublik China hat umfangreiche Konjunkturprogramme beschlossen, was zur Bekämpfung der Immobilienkrise und Stützung der heimischen Wirtschaft beiträgt. Gleichzeitig hat die US-Notenbank den Leitzins gesenkt und die aktuelle Zinsstrukturkurve impliziert auf Sicht der nächsten 12 Monate weitere Leitzinsreduzierungen, so dass das geldpolitische Umfeld für Aktien, trotz der sich fortsetzenden Bilanzverkürzungen der Notenbanken (Quantitative Tightening), positiv ist. Die US-Industrie sollte zukünftig stärker als die Industrie in Europa profitieren, da die Zollpolitik den amerikanischen Staat durch die Mehreinnahmen in Höhe von ca. 300 Mrd. USD in die Lage versetzt, dass Unternehmenssteuern reduziert werden können. Es ist zudem ein Trend zu beobachten, dass sich europäische Unternehmen verstärkt in den USA ansiedeln, mit dem Ziel, die Importzölle zu umgehen.

Die stärksten Kursgewinne in den USA verzeichneten in den letzten Wochen der KI-Sektor. Die Investitionsprognosen der Hyper-Scaler und von OpenAI haben sich nochmals deutlich erhöht, was insbesondere die Aktienkurse der Big Techs (z.B. Nvidia, Alphabet, Meta, Tesla, AMD, Oracle) befeuert hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit baut sich in diesem Segment aufgrund von steigenden Kreislauf-Umsätzen eine Überbewertung auf, was auf Sicht der nächsten Wochen zu einer temporären dynamischen Marktkorrektur führen dürfte. Diese Korrektur könnte z.B. dadurch ausgelöst werden, dass die Umsatzprognose eines wichtigen KI-Unternehmens reduziert wird.

Zudem könnte offensichtlich werden, dass die Implementierung von KI-Systemen in den Unternehmen längere Zeit in Anspruch nimmt, als dies aktuell erwartet wird und es zudem nicht sicher ist, dass sich die massiven KI-Investitionen monetarisieren werden. Es wird zudem aktuell deutlich, dass viele KI´s auf redundanten IT-Infrastrukturen basieren und die öffentlich zugänglichen Chatbots wie z.B. ChatGPT zunehmend schlechte Ergebnisse liefern, weil sich dank des KI-generierten Contents eine Datenbasis im Internet gebildet hat, die keine hohe Qualität mehr aufweist.

Die Aufwärtsbewegung der KI-Unternehmen wird seitens zahlreicher Medien mit der Internet Bubble aus dem Jahr 2000 verglichen. Die Bewertungskennziffern zeigen jedoch, dass dieser Vergleich hinkt, da die großen Tech-Unternehmen extrem hohe Netto Cashflows aufweisen, was ein an sich hohes Bewertungsniveau rechtfertigt. Es ist somit im Tech-Sektor nicht ein Crash analog des Jahres 2000 zu erwarten, sondern vielmehr ein marktübliche Preiskorrektur. Auch im Zollstreit zwischen den USA und China zeichnet sich eine erneute Zuspitzung ab, der auf Sicht der nächsten Wochen auf der Investoren-Seite für Verunsicherung sorgen sollte.

Die Cash-Quote im Wikifolio wurde aufgrund der steigenden Korrekturwahrscheinlichkeit in der Vorwoche deutlich erhöht, es wurden einige neue und spannende Werte aufgenommen, wie z.B. die Aktien der Unternehmen OHB und IBU Tech.

Die OHB Aktie, die sich zu 94% in der Hand des Finanzinvestors KKR befindet, könnte zukünftig massiv von dem geplanten Weltraumsicherheit-Paket der Bundesregierung (35 Mrd. Euro bis 2030) profitieren.

IBU-Tech (Herstellung von Batteriematerial in Deutschland) hat einen Exklusivauftrag von PowerCo (VW Tochter) erhalten, was bedeutet, dass die gesamte Produktionskapazität zukünftig von PowerCo gebucht wird. Zudem wird IBU-Tech die Produktionskapazität erweitern und ein neues Werk bauen, welches vollends durch Vorleistungen finanziert wird, ohne dass eine den Aktienkurs verwässernde Kapitalerhöhung zu erwarten ist.